19.01.2021

Ehrenstadtbrandmeister Karl Wilms verstorben

Am vergangenen Montag, den 17. Januar 2021 verstarb der Ehrenstadtbrandmeister der Heiligenhauser Feuerwehr, Karl Wilms. Die Feuerwehrtrauert um ein Original, dem sie viel zu verdanken hat. Zu seinen Ehren tragen die Fahrzeuge der Feuerwehr Heiligenhaus und die hier stationierten Rettungswagen zwei Wochen lang Trauerflor. Was danach bleibt, ist sein Lebenswerk. Wilms konnte auf ein erfülltes Leben zurückblicken - langweilig wurde es nie.

Noch bis Februar 2020 traf man Karl Wilms beim Stammtisch des Altenclubs in der Feuerwache. Gerne tauschte sich Wilms bei diesen Treffen mit seinen Alterskameraden und deren Frauen über alte Zeiten aus. Schwere Zeiten und
anstrengende Jahre - und immer das Ziel vor den Augen.

Die Heiligenhauser Feuerwehr ist gut aufgestellt. Es besteht eine Jugendfeuerwehr, ein Feuerwehrmuseum und die Feuerwache an der Dr.-Julius-Held-Straße. Es rücken Fahrzeuge zur Notfallrettung aus, die Feuerwehr hat einen guten Ruf. All dies sind heute Selbstverständlichkeiten - doch das waren sie nicht immer. Engagierte Menschen unserer Stadt bauten die Feuerwehr nach dem Kriege wieder auf und machten sie zu dem, was sie heute ist. Viele wegweisende Entscheidungen fielen hierbei in die Amtszeit des verstorbenen Ehrenstadtbrandmeisters.

1945 klopfte ein junger Mann an eine Bürotüre im Rathaus: "Ich soll hier für eine Stelle vorsprechen." Es war kein anderer als Karl Wilms, der nach einer sehr schweren Zeit bei der Gemeindeverwaltung anheuerte.

"Dabei wurde ich schon fast direkt wieder rausgeschmissen, bevor ich eigentlich
eingestellt war.", erzählte Wilms im Februar 2020 von seinem Einstellungsgespräch. "Ich hatte eine Einladung mit dem Datum des Vorstellungsgespräches - eine Uhrzeit fehlte. So bin ich um 8 Uhr dort gewesen - das passte dem Vorgesetzten jedoch nicht, er war sauer über meine vermeintliche Verspätung. Als ich ihn darauf hinwies, dass auf dem Schreiben die Uhrzeit fehlte, war der erste Einstellungstest bestanden. So habe ich 1945 angefangen."

Beginn einer Feuerwehrkarriere

Kurze Zeit später, am 1. Januar 1946, trat der 18-Jährige der Löschgruppe Isenbügel bei. Berührungspunkte mit der Feuerwehr hatte er jedoch schon vorher. Vater Josef war selbst Mitglied der Feuerwehr gewesen. Er verstarb an den Folgen einer Lungenentzündung nach einem Einsatz im Winter 1941 - ein schwerer Schlag
für die Familie. Doch auch Mutter Grete setzte sich für die Feuerwehr ein.

"Meine Mutter bekam ein bisschen Geld dafür, dass Sie im Feuerwehrhaus in Isenbügel die Feuerspritzen reinigte und ein wenig für Ordnung sorgte. Ich half ihr gerne dabei." so Wilms.

Wehrführer und Leiter der Feuerwache

1947 wurde Wilms Feuerwehrmann, 1951 Oberfeuerwehrmann. Über verschiedene
Stationen, u. a. als Kassenprüfer, Führer der Löschgruppe Isenbügel und stellvertretender Wehrführer, rückte er 1971 auf den Posten des Wehrführers auf.
In der Stadtverwaltung wurde der Stadthauptsekretär dafür vom Sozialamt zur
Feuerwache versetzt - deren Leitung er ebenfalls 1971 übernahm. In der Verwaltung machte Wilms ein breites Kreuz für die Feuerwehr und war sich hierbei für kaum etwas zu schade.

"Karl hatte Verwaltung von der Picke auf gelernt. Er kannte alle Tricks. Es gab kaum einen Vorgang innerhalb der Verwaltung, den er nicht kannte - man konnte ihn alles fragen. Das wusste ich sehr zu schätzen.", erinnert sich Lutz Peltzer, Leiter der Feuerwehr 2001-2007.

Nachwuchssorgen sollten der Vergangenheit angehören

Im November 1972 gab Wilms den Startschuss für ein wegweisendes Nachwuchsprojekt: Er gründete die zweite Jugendfeuerwehr im damaligen Kreis. Mit
dem ersten Stadtjugendfeuerwehrwart, Günter Brunnöhler, und 32 Jungen begann vor fast 50 Jahren die Jugendarbeit der Feuerwehr - bis heute ein Erfolgsprojekt.

Einen weiteren umstrittenen Schritt ging Wilms 1987. Erstmals nahm die
Jugendfeuerwehr Mädchen in ihre Reihen auf. Ein leises Rumoren ging durch die
Feuerwehr - so ganz recht war es nicht jedem. Doch die Männerdomäne fiel - heute
ist selbstverständlich, dass auch Mädchen und Frauen in der Feuerwehr zu Hause
sind.

1974 wurden die Einheiten des ehemaligen Luftschutzhilfsdienstes (LSHD) aufgelöst - so auch eine Brandschutzeinheit, die in Heiligenhaus ihre Heimat hatte. Eine komplette Parallelorganisation neben der Feuerwehr, mit eigenem Depot und eigenen Fahrzeugen, vorgesehen für den Kriegsfall. In mühevoller Überzeugungsarbeit gelang es Wilms, die meisten Kameraden in die Wehr zu
integrieren.

Ehrenkreisbrandmeister Friedrich-Ernst Martin, selbst ehemaliges Mitglied der
Luftschutz-Einheit weiß hierzu: "Manche sahen sich gegenseitig als Konkurrenz an. Rund 20 Kameraden waren parallel in beiden Organisationen tätig. Karl wollte niemanden verlieren, jeder war wichtig. Ihm gelang es am Ende, fast alle Kameraden für die Freiwillige Feuerwehr zu gewinnen."

Alte Technik ging außer Dienst - und wurde erhalten

Auch technisch ging es für die Feuerwehr voran. 1975 wurde das letzte Kriegsfahrzeug aus dem Jahre 1943 ersetzt. Gar nicht so einfach, war doch die Neubeschaffung eines Feuerwehrfahrzeuges zur damaligen Zeit immer von einer
Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen abhängig. Gab es keinen Förderbescheid, so musste die Stadt alleine zahlen - zur damaligen Zeit fast unmöglich. Doch Wilms beharrte auf seinem Ziel und fand am Ende Mittel und Wege,
dieses auch zu erreichen. Mal auf die behutsame Art, aber wenn nötig auch mit dem nötigen Durchsetzungsvermögen.

Mit einem Augenzwinkern beschreibt es Unterbrandmeister a. D. Ulrich Berninghaus: "Karl war der Stadtdirektor von der Feuerwehr - und so trat er dann auch, wenn nötig, auf. Der hat auch den richtigen Stadtdirektor strammstehen lassen."

Was außer Dienst ging, wurde spätestens ab 1976 trotzdem der Nachwelt erhalten. In diesem Jahr eröffnete in der alten Schule Abtsküche das Feuerwehrmuseum. Auch
hier war es Günter Brunnöhler, der die Initiative ergriff - Wilms sorgte für den nötigen Rahmen und die Finanzierung. So wurde aus der nicht mehr genutzten Schule ein überregional bekanntes Feuerwehrmuseum, welches bis heute Bestand hat.

Engagement im Kreis

1958 wurde er Kreispressewart des Kreisfeuerwehrverbandes Düsseldorf-Mettmann
und machte sich damit erstmalig über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen. Die
Zusammenarbeit untereinander lag ihm am Herzen.

Als 1976 der neue Kreis Mettmann einen einheitlichen Notfallrettungsdienst
etablierte, wurde in Heiligenhaus der erste vollwertige Rettungswagen stationiert. Vorher wurden Unfälle mit einem Krankenwagen, zum Teil nur durch einen Feuerwehrmann besetzt, gefahren. Wo heute eine mehrjährige Berufsausbildung erforderlich ist, musste seinerzeit ein Kursus in Erster Hilfe reichen. In Dienst ging das Fahrzeug in der damaligen Wache "Am Rathaus", später wechselte das Fahrzeug an die neue Feuerwache.

Die Leiter der Feuerwehren des Kreises Mettmann sind, kraft ihres Amtes, Vorstandsmitglied des Kreisfeuerwehrverbandes Mettmann - so ist es bis heute. In
die Vorstandsmitgliedschaft von Karl Wilms fiel Ende der 1980er Jahre eine besondere Herausforderung. Im November 1981 schied der damalige Kreisbrandmeister Wilhelm Giesen aus Hilden aus Altersgründen aus seinem Amt aus, ein Nachfolger war nicht in Sicht.

"Ich kannte Karl durch die Feuerwehr, aber schon viel länger als geschätzten
Kollegen in der Stadtverwaltung. Er hat mich damals gefragt, ob ich nicht Kreisbrandmeister werden möchte und erklärte mir, was da so zu machen sei",
berichtet Ehrenkreisbrandmeister Friedrich-Ernst Martin. "Ein paar Dienstbesprechungen im Jahr, viel mehr würde das schon nicht. Nach reiflicher Überlegung sagte ich zu, Karl leitete alles in die Wege. Die nötigen Lehrgänge konnte ich innerhalb kürzester Zeit absolvieren. Auch mit dem Stadtdirektor klärte er, dass ich zu manchen Zeiten im Rathaus abwesend sein würde - alles kein Problem."

So wurde am 1. Dezember 1981 erstmals ein Heiligenhauser Kreisbrandmeister des
Kreises Mettmann - und blieb es 30 Jahre lang. Auch nach Martins Amtsantritt unterstützte Wilms den jungen Kreisbrandmeister wo er konnte. Der kurze Weg im Rathaus machte es möglich. "Er unterstützte, wo er konnte. Vor seiner Stelle bei der Feuerwehr war er im Sozialamt. Dort habe ich oft erlebt, wie wohlwollend und wohltuend er mit den Bürgern umgegangen ist. Das hat sich bei der Feuerwehr an vielen Stellen bezahlt gemacht."

Eine der letzten Amtshandlungen in Karl Wilms aktiver Zeit war eine für die Kreisgemeinschaft. Ein ausgemusterter Rettungswagen wurde in mühevoller Kleinarbeit zum Atemschutzgerätewagen (AGW) umgebaut und stand ab 1989 bereit. Bei größeren Einsätzen rückte er in den gesamten Kreis aus und versorgte die Einsatzstellen mit neuen Atemschutzgeräten und Atemluftflaschen.

Auch hierzu weiß Martin: "Das hat die kleine Atemschutzwerkstatt in Heiligenhaus gestemmt, noch bevor es die großen Gerätewagen oder Abrollbehälter - wie heute üblich - gab. Mit dem Fahrzeug war die Feuerwehr sogar 1996 beim Brand des Düsseldorfer Flughafens im Einsatz."

Neubau der Feuerwache und Gerätehaus-Erweiterung

Anfang der 1970er Jahre stellte der Regierungspräsident in Düsseldorf fest, dass
die Heiligenhauser Feuerwache von 1929 unzureichend ist und zudem das Depot in
Isenbügel zu klein. Während die Erweiterung des Isenbügeler Gerätehauses 1974
gelang, war es mit dem Neubau der Feuerwache so eine Sache.

Im Rat und in der Verwaltung wurde jahrelang debattiert und beraten, bis 1981 Bürgermeisterin Helga Schniewind endlich den Grundstein für die heutige Feuerwache legte. Im November 1982 zog die Feuerwehr dann nach 53 Jahren aus dem Hinterhof vom Rathaus in das neue Gebäude in der Nähe des Nonnenbruchs. Auch das wäre nicht möglich gewesen, hätte es nicht einen starken Leiter der Feuerwehr wie Karl Wilms gegeben.

Nach der Amtszeit, aber immer noch nicht müde

Auch nach seiner Amtszeit brachte sich Wilms weiter ein. So war er 1998 Gründungsmitglied des noch heute bestehenden "Vereins zur Förderung des Feuerschutzes und der Jugendfeuerwehr in Heiligenhaus e. V." - kurz Förderverein. 2009 schied er aus dem Vorstand aus und wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

"Viele Geschäfte und Betriebe waren in Heiligenhaus seinerzeit noch inhabergeführt. Es gab kaum eine Firma, bei der Karl nicht den Geschäftsführer kannte oder keine Kontakte hatte", weiß Günter Blum, Leiter der Feuerwehr 1993-2000. Das war gut für die Feuerwehr und gut für den späteren Förderverein. Eine gut aufgestellte Feuerwehr braucht den Rückhalt in der Bevölkerung und der heimischen Wirtschaft."

Was bleibt

Der Nachwelt erhalten bleiben auf der einen Seite greifbare Dinge und auf der
anderen Seite wichtige Werte.

Die Feuerwehr ist an der Dr.-Julius-Held-Straße zu Hause - in einer Feuerwache, deren Bau Wilms durch Rat und Verwaltung gebracht hat. Die Feuerwehr verfügt bis
heute über eine sehr starke Jugendfeuerwehr, ohne die der Nachwuchs in den eigenen Reihen schwerfallen würde. Ein überregional bekanntes Feuerwehrmuseum
trägt den Namen "Heiligenhaus" in die Republik. Diese Dinge nimmt die Feuerwehr
wahr und verbindet sie mit ihrem verstorbenen Ehrenstadtbrandmeister.

Fast noch wichtiger sind die Werte, für die es bis heute einzustehen gilt. Karl Wilms hat sich für seine Feuerwehr und für seine Stadt eingesetzt, selbstlos und uneigennützig. Die Feuerwehr ist dankbar um die vielen Schritte, die Karl mit ihr nach vorne gegangen ist - immer das Ziel vor Augen. Der Schutz der Bürger stand für den Ehrenstadtbrandmeister an erster Stelle. Doch auch bei den vielen Dingen, die es im Verwaltungsgeschehen zu erledigen gab, verlor er nie seine Kameraden aus den Augen.

"Karl war nicht nur Dienstvorgesetzter, er war auch Kamerad. Er hat uns umsorgt und sich gekümmert, wenn es Probleme gab. Ich erinnere mich daran, dass einem unserer Kameraden samt Frau und einem kleinen Kind die Wohnung gekündigt  wurde. Sie hätten beinahe auf der Straße gestanden. Karl hat sich gekümmert, kurze Zeit später hatte die junge Familie eine eue Wohnung.", so Blum.

Das wusste auch Ulrich Heis, Leiter der Feuerwehr von 2008-2020, zu schätzen,
dessen Vater Franz ebenfalls schon in der Feuerwehrtradition der Familie stand:
 

"Für jedes menschliche Problem hatte Karl eine Lösung - er hat niemanden im
Regen stehen lassen. Egal welchen Dienstgrad man hatte. Hatte man ein privates Problem, suchte man einen Arbeitsplatz oder dergleichen - Karl hat geholfen."

Zahlreiche Auszeichnungen für besondere Verdienste

Für seine Verdienste erhielt Wilms zahlreiche Auszeichnungen. 1979 erhielt er
vom Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber, 1985 das Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Nordrhein-Westfalen in Gold. Als er am 31.10.1989 aus Altersgründen als Leiter der Feuerwehr ausschied, verliehen ihm Bürgermeister Schwarze und Stadtdirektor Schroerschwarz den Ehrentitel "Ehrenstadtbrandmeister". Damit stand er in einer Reihe mit verdienten, ausgeschiedenen Wehrleitern. Als besondere Ehrung der Stadt Heiligenhaus erhielt er 1996 die Schlotschmed-Medaille.

Kürzlich erreichte er noch einen ganz besonderen Meilenstein. Am 1. Januar 2021 erhielt der 93-jährige die Ehrennadel des Verbandes der Feuerwehren in NRW für 75-jährige Feuerwehrmitgliedschaft. Diese Ehrung hat es bis dato in Heiligenhaus noch nie gegeben.

Es ist Karl Wilms' letzter Meilenstein in einem langen, erfüllten Leben. Die Feuerwehr der Stadt Heiligenhaus ist Karl und seiner Familie zu großem Dank verpflichtet.

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