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11.11.2018

Geschichte, Gedenken und viele neue Freunde

Am vergangenen Wochenende, von Freitag bis Sonntag waren Jugendliche mit Ihren Ausbildern in Meaux. Gemeinsam mit den Kameraden der Partnerstadt Meaux wurde über 100 Jahre Ende des ersten Weltkrieges nachgedacht und an würdevollen Feierlichkeiten teilgenommen. Im Folgenden wird die spannende Fahrt durch einen Erfahrungsbericht von Ausbilder Jan Heinisch erzählt, der selbst mit gefahren ist und die Reise zu einem Großteil organisiert hat.

Schon seit 1970 verbindet eine Städtepartnerschaft Heiligenhaus und Meaux. Die Idee für das Projekt entstand schon im November vergangenen Jahres. An diesem besonderen Datum sollten Jugendliche aus Deutschland und Frankreich nicht nur an den großen Gedenkveranstaltungen in Meaux teilnehmen. Sie sollten ebenfalls gemeinsam die rund 100 deutschen Soldatengräber pflegen, die sich am Rande des Friedhofs von Meaux befinden. Meaux, gelegen am Fluss Marne, ist mit Blick auf den Ersten Weltkrieg ein besonderer Ort. Hier wurde der deutsche Vormarsch Richtung Westen bei der „Schlacht an der Marne“, der Erste Weltkrieg wurde durch diesen Erfolg der französischen Truppen und ihrer Unterstützer zu dem schrecklichen Stellungskrieg, der er über vier weitere Jahre blieb. Nicht ohne Grund befindet sich in Meaux daher auch ein riesiges Weltkriegsmuseum, das die größte Sammlung Europas zum Thema beherbergt.  

Genau dort begann denn auch der dreitägige Besuch der Heiligenhauser Jugendfeuerwehrleute. Neben dem Museum wurde unter Anwesenheit etlicher Hundert französischer Schüler gemeinsam mit dem Bürgermeister von Meaux, Jean-Francois Copé, eine Friedens-Eiche gepflanzt. Dies geschah genau auf dem Grund und Boden, an der sich gut 100 Jahre zuvor Menschen aus Deutschland und Frankreich die bestialische Schlacht an der Marne lieferten. Im Jahre 2018 befestigten nun auch deutsche Jugendliche ein französisches Fahnenband an dem kleinen Baum, dessen Emporwachsen künftig den Frieden der Völker symbolisieren soll. Und dieser Frieden ist keine Selbstverständlichkeit und keine ewig währende Sicherheit, wie Bürgermeister Copé betonte. Jeder kann und muss zu seiner Festigung beitragen. 

Die anschließende Museumsbesichtigung machte die Grausamkeiten, die Verzweiflung und den Schrecken von Tod und Verstümmelung erlebbar. Still und demütig verlässt der Besucher die Ausstellung, die in vielfältiger Form diesen Wendepunkt europäischer Geschichte verdeutlicht. Der erste Krieg, der nicht mehr nur mit Gewehr und Bajonett, sondern mit industrieller Technik vom Maschinengewehr bis Panzer geführt wurde, schlug ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte auf.

 

Im Zentrum des Besuchs sollte jedoch das Miteinander von Deutschen und Franzosen stehen. So gehörte der Samstag ganztägig zunächst der gemeinsamen Pflege der Soldatengräber, wobei man sich trotz Sprachbarriere schnell verständigte und dann auch verstand. Der Nachmittag gehörte ganz dem gemeinsamen Hobby, dem Feuerwehrwesen. Von einem gemeinsamen Essen mit der diensthabenden Wachbesatzung über Ausbildungseinheiten bis hin zu einer praktischen Übung blieb nichts aus, was das Feuerwehrherz höher schlagen lässt. Für die Übung lieh die Jugendfeuerwehr den deutschen Kollegen sogar Uniformen, so dass spätestens ab diesem Moment nicht mehr wahrnehmbar war, wer aus der Gruppe nun welcher Nation angehörte.  

Wer nach Meaux und damit in die direkten Vororte von Paris reist, der sollte natürlich auch die französische Hauptstadt gesehen haben. Der nächtliche Besuch in der Millionenmetropole verschlug den Teilnehmern mitunter die Sprache. Natürlich durfte auch das Erinnerungsfoto unter dem illuminierten Eiffelturm nicht fehlen.  

Der eigentliche Gedenktag war jedoch der Sonntag. Überall in Frankreich findet sich selbst im kleinsten Dorf ein Denkmal für die Kriegstoten. In Meaux durften die Jugendlichen also gemeinsam der großen Zeremonie beiwohnen, bei der Veteranenverbände, Amtsträger, Schulen und Bevölkerung gemeinsam dem Schrecken der Geschichte gedachten und zugleich feierten, dass Europa heute in Frieden lebt. Die beiden Jugendfeuerwehren, durch ihre Uniformen deutlich wahrnehmbar, waren für alle Anwesenden das beste Symbol der Freundschaft beider Länder. Dazu gehörte natürlich auch die Entzündung einer Friedensfackel durch zwei der Jugendlichen.

 

Die Verabschiedung fiel verständlicherweise schwer. Aus gutem Grund: Dieses Gedenkwochenende hat nicht nur für Geschichtsbewusstsein gesorgt, sondern junge Menschen zweier Länder sich deutlich näher gebracht. „Wir haben viele neue Freunde gefunden und werden sicherlich nicht das letzte Mal beisammen gewesen sein“, ist sich die Heiligenhauser Jugendfeuerwehrwartin Daniela Hemmert sicher.  

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